Der Vorwurf der Assault entsteht oft aus einer eskalierten Auseinandersetzung – nach einem Streit, einer Schlägerei, im Straßenverkehr oder im häuslichen Umfeld. Für die Betroffenen steht häufig viel auf dem Spiel, von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe. Dieser Ratgeber erklärt ausführlich, welche Strafe droht, wann eine Einstellung des Verfahrens möglich ist und wie eine Verteidigung in Bonn ansetzt.
Was ist eine Assault?
Eine Assault begeht, wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt. Körperliche Misshandlung ist jede üble, unangemessene Behandlung, die das körperliche Wohlbefinden mehr als nur unerheblich beeinträchtigt. Eine Gesundheitsschädigung ist das Hervorrufen oder Steigern eines krankhaften Zustands.
Schon ein Schlag, ein Stoß oder das Zufügen von Schmerzen kann den Tatbestand erfüllen – auf sichtbare Verletzungen kommt es nicht zwingend an. Eine ausführliche Darstellung finden Sie auf unserer Seite zur Strafverteidigung bei Assault.
Einfache, gefährliche und schwere Assault
Das Gesetz unterscheidet mehrere Formen. Die einfache Assault ist der Grundtatbestand. Die gefährliche Assault (§ 224 StGB) liegt vor, wenn die Tat mit besonderen Mitteln oder auf besondere Weise begangen wird – etwa mit einem gefährlichen Werkzeug, gemeinschaftlich mit anderen oder durch eine das Leben gefährdende Behandlung.
Die schwere Assault (§ 226 StGB) knüpft an besonders gravierende, dauerhafte Folgen an, etwa den Verlust des Sehvermögens oder eines Körperglieds. Gefährliche und schwere Assault sind als Verbrechen deutlich strenger geregelt – die Abgrenzung entscheidet maßgeblich über den Strafrahmen.
Welche Strafe droht?
Die einfache Assault wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet. Bei Ersttätern und leichteren Verletzungen bewegt sich das Verfahren häufig im Bereich der Geldstrafe oder endet mit einer Einstellung. Bei der gefährlichen Assault reicht der Strafrahmen dagegen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.
Für die Strafzumessung sind insbesondere die Schwere der Verletzungsfolgen, eine etwaige Provokation oder Notwehrlage, das Verhältnis der Beteiligten zueinander, das Nachtatverhalten und mögliche Vorstrafen maßgeblich. Eine Entschuldigung oder die Übernahme von Behandlungskosten kann sich spürbar mildernd auswirken.
Antragsdelikt und Strafantrag
Die einfache Assault ist grundsätzlich ein Antragsdelikt. Das bedeutet: Ohne fristgerechten Strafantrag des Verletzten wird sie nur dann verfolgt, wenn die Staatsanwaltschaft ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bejaht. Der Strafantrag muss innerhalb von drei Monaten gestellt werden.
Diese Besonderheit eröffnet Verteidigungsspielräume. Fehlt der Strafantrag oder wird er zurückgenommen, kann das Verfahren enden, sofern kein besonderes öffentliches Interesse besteht. Gerade bei Auseinandersetzungen im persönlichen Umfeld spielt dies in der Praxis eine erhebliche Rolle.
Wann ist eine Einstellung möglich?
Viele Verfahren wegen einfacher Assault enden ohne Hauptverhandlung. In Betracht kommen eine Einstellung nach § 153 StPO wegen Geringfügigkeit oder nach § 153a StPO gegen Auflagen – häufig in Verbindung mit einem Täter-Opfer-Ausgleich. Auch eine Erledigung durch einen Penalty Order ist möglich.
Bei der gefährlichen oder schweren Assault kommt es wegen des höheren Strafrahmens eher zur Anklage. Gelingt es der Verteidigung jedoch, die Qualifikation zu entkräften, eröffnen sich für die verbleibende einfache Assault wieder die milderen Wege.
Verteidigungsansätze
Eine Verteidigung kann an mehreren Punkten ansetzen. In Betracht kommen eine Notwehrlage (§ 32 StGB) oder ein Notwehrexzess, eine wirksame Einwilligung des Verletzten (§ 228 StGB) – etwa bei einvernehmlichen Raufereien oder im Sport –, das Fehlen des Vorsatzes oder Zweifel an der Täterschaft.
Besonders häufig sind Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen, in denen sich die Schilderungen von Beschuldigtem und Geschädigtem widersprechen. Hier ist die kritische Prüfung der Glaubhaftigkeit der Belastungsaussage von zentraler Bedeutung – etwa, ob sie in sich stimmig ist und zu den objektiven Befunden passt.
Was Sie tun sollten
Machen Sie zunächst keine Angaben zur Sache und holen Sie anwaltlichen Rat ein. Erst nach Akteneinsicht lässt sich beurteilen, welche Strategie trägt – ob also eher die Glaubhaftigkeit der Gegenseite anzugreifen ist, eine Notwehrlage in Betracht kommt oder ein Täter-Opfer-Ausgleich der bessere Weg ist.
Vermeiden Sie es, der Gegenseite Nachrichten zu schreiben oder den Vorfall mit Zeugen zu „besprechen”. Solche Schritte können als Beeinflussung gewertet werden und die Verteidigung erschweren. Der ruhige, anwaltlich begleitete Weg ist auch hier der bessere.
Häufig gestellte Fragen
Was passiert, wenn der Geschädigte den Strafantrag zurücknimmt? Bei der einfachen Assault kann das Verfahren dann enden, sofern kein besonderes öffentliches Interesse besteht.
Droht bei einer Schlägerei immer eine Freiheitsstrafe? Nein. Bei Ersttätern und leichteren Verletzungen kommen Geldstrafe oder Einstellung in Betracht.
Was bedeutet Täter-Opfer-Ausgleich? Ein Ausgleich mit dem Geschädigten – etwa Entschuldigung und Wiedergutmachung – kann zu einer Einstellung oder Strafmilderung führen.
Als Strafverteidiger in Bonn verteidigen wir Sie bei jedem Assaultsvorwurf und prüfen alle Wege zu einer günstigen Erledigung.
Die Informationen ersetzen keine Prüfung des Einzelfalls. Im Strafverfahren hängt die Verteidigungsstrategie wesentlich vom Akteninhalt, dem konkreten Tatvorwurf und der Beweislage ab.
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